Mit diesem Titel sind wir schon bei einem grundlegenden Knackpunkt. Das Wort „Bewerbungsgespräch“ vermittelt den Anschein, dass sich alleine der potenzielle neue Mitarbeiter in einer bewerbenden Situation befindet. Weit gefehlt! Das mag früher sicherlich sehr zutreffend gewesen sein. Fakt ist allerdings, dass heute gegenseitiges Bewerben und „Umwerben“ unverzichtbar ist, um erfolgreich Mitarbeiter zu gewinnen. Auch Unternehmen „bewerben“ sich bei einem potenziellen neuen Mitarbeiter. Daher finde ich die Formulierung persönliches Kennenlerngespräch wesentlich treffender, da es darum geht, dass beide Seiten sich kennenlernen. Die Zeit des „Casting-Charakters“ ist vorbei und hat einem „Date-Charakter“ Platz gemacht. Und das persönliche Gespräch stellt die Weichen dafür, ob sich ein möglicher neuer Mitarbeiter für oder gegen ein Unternehmen und für oder gegen ein Vertragsangebot entscheidet, denn gute „Bewerber“ haben meist mehrere Angebote vorliegen.

Welche „Knack-Punkte“
gilt es daher zu berücksichtigen?

 

1  Vorbereitung des Bewerbungsgesprächs

Hierunter fallen sowohl die organisatorischen als auch die persönlichen Vorbereitungen. Was kann hier schief gehen?

  • der Kandidat muss warten, das Gespräch fängt zu spät an
  • das Gespräch fängt zwar pünktlich an, aber einer der Gesprächsteilnehmer kommt zu spät
  • der Raum ist noch besetzt bzw. doppelt belegt
  • die leeren Gläser vom vorhergehenden Termin stehen noch auf dem Tisch
  • der Raum ist nicht gelüftet und die verbrauchte Luft steht förmlich im Zimmer
  • Unterlagen über den Kandidaten (in gedruckter Form oder per Tablet) sind bei den Gesprächspartnern nur zum Teil vorhanden
  • die Bewerbungsunterlagen wurden offenkundig vorher nicht durchgesehen, im worst case wird dies noch verbal bestätigt: „Lassen Sie mich einmal einen Bick in Ihre Unterlagen werfen“

 

2  Kommunikation

Auch die eigentliche Kommunikation bietet einige Knackpunkte:

  • die Gesprächsteilnehmer von Seiten des suchenden Unternehmen stellen sich gar nicht oder nur knapp in einem Satz vor
  • das Unternehmen wird nicht dargestellt, statt dessen erfolgt der Hinweis: „Sie haben sich ja sicher bereits auf unserer Homepage informiert“
  • auch das Gegenteil kann der Fall sein: die persönliche Vorstellung artet in einen 10-15 minütigen Monolog aus
  • das Gespräch ist eher ein Frage-Antwort-Spiel und weniger ein echter Dialog
  • Fragen von Seiten eines möglichen neuen Mitarbeiters werden mit dem Hinweis auf die fortgeschrittene Zeit „vertagt“

 

3 Fragestellung

Fragen von Seiten des suchendenden Unternehmens sind normal. Doch genauso wie vom Kandidaten erwartet wird, dass er sich interessante Fragen überlegt, so gilt dies analog für das suchende Unternehmen:

  • vermeiden Sie die immer wieder zu hörenden Standardfragen wie z.B. „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“. Es gibt so viele Alternativen hierzu!
  • Standardisierte Fragenkataloge werde abgearbeitet anstelle von vorbereiteten und auf den Kandidaten und die Position zugeschnittene Fragen
  • Wichtige Fragen sowohl bzgl. Skills als auch bzgl. Erwartungen eines Bewerbers hinsichtlich Gehalt und Einstieg werden schlichtweg vergessen
  • ….

 

4 Störfaktoren im Bewerbungsgespräch

Leider immer wieder „beliebt“ sind Störfaktoren wie:

  • das Handy klingelt oder vibriert
  • der PC oder das Tablet erzeugt Töne aufgrund eingehender Nachrichten / Wiedervorlagen / Erinnerungen
  • ein anderer Mitarbeiter kommt herein
  • das Zeitfenster war so eng gesteckt, dass bereits der nachfolgende Termin vor dem Besprechungszimmer mit den „Hufen scharrt“

 

5 Verabschiedung

Das Gespräch ist zu Ende. Und jetzt? Knackige Dinge, die Sie vermeiden sollten:

  • Keine Transparenz bzgl. des Prozesses, d.h. die nächsten Schritte werden weder inhaltlich noch zeitlich erläutert
  • Kontaktdaten der Gesprächsteilnehmer werden nicht ausgetauscht (Visitenkarten oder Versand im Nachhinein)
  • der Kandidat wird bis zur Besprechungstür gebracht, aber auch nicht weiter: „Sie finden ja den Aufzug“
  • ….

Dies ist nur ein Auszug und viele dieser Punkte sind im Grunde leicht zu berücksichtigen. Da ich sie alle mehr als nur einmal erlebt habe, scheint es offensichtlich doch nicht so einfach zu sein. Natürlich sind wir alle nur Menschen, doch die obigen Beispiele sollten absolute Ausnahmen sein! Wenn Sie Kandidaten für Ihr Unternehmen begeistern wollen, dann werben Sie für sich und fangen am besten gleich bei diesen Basics an!

Let’s stay connected!