Eine der beliebtesten Fragestellungen in Bewerbungsgesprächen ist die Warum-Frage: Warum haben Sie sich bei uns beworben? Warum möchten Sie sich beruflich verändern? Warum sind Sie nach dem Studium zum Unternehmen xy gegangen? Warum …?

Vor einigen Wochen in Düsseldorf: mit einem Kandidaten war ich zu einem Erst-Gespräch bei einem unser Kunden. Der Kandidat saß links von mir, uns gegenüber saßen der Vertriebsleiter und ein Kollege aus dem Personalbereich. Wie üblich gab es am Anfang eine kurze Vorstellungsrunde. „Mein Name ist Peter Schmitz“ sagte mein HR-Kollege „und ich bin seit 15 Jahren im HR Bereich für das Segment Automotive verantwortlich.“ „Wow“ hörte ich es neben mir anerkennend vom Kandidaten. „Das ist ja toll! Warum machen Sie das schon so lange?“ Da war sie – die Warum-Frage, nur dieses Mal nicht vom Personaler sondern an den Personaler gestellt.

„Wie klasse ist das denn?“ dachte ich mir. „Was für eine geniale Frage! Das ist ja eine Steil-Vorlage, wie man sie sich nur wünschen kann! Jetzt loslegen und erzählen, wie toll es hier ist!“ Innerlich völlig begeistert schaute ich mit erwartungsvollen Augen Peter Schmitz an – etwa so, wie ein Kind auf den Nikolaus schaut in freudiger Erwartung der Geschenke, die da kommen. Was passierte? Erst einmal wurde Peter Schmitz blass. Mit dieser Frage hatte er nicht nur nicht gerechnet, sondern sich diese Frage offensichtlich auch schon länger nicht mehr gestellt. Und die Erläuterung nach der ersten Schrecksekunde begann mit „Ähm“ und war wenig überzeugend.

Begeisterung – Guten Tag!

Warum berichte ich darüber?

Das Ziel von Vorstellungsgesprächen besteht unter anderem darin, die jeweils andere Seite kennenzulernen. Jeder präsentiert sich im besten Licht – so jedenfalls die Theorie. Das Unternehmen will vom Bewerber alles Relevante mit Blick auf die zu besetzende Position erfahren. Genauso möchte auch der Bewerber alles für ihn Wichtige über das Unternehmen herausfinden, um zu entscheiden, warum er dort arbeiten soll. Dieses „Warum soll ich hier arbeiten“ möchten Kandidaten nicht nur digital und im Netz beantwortet sehen, sondern vor allem persönlich und authentisch. Bewerber können aber nur dann überzeugt und begeistert werden, wenn die Gesprächspartner selbst begeistert sind!

Viele Unternehmen haben eine Menge spannender und begeisternder Dinge zu bieten. Die Palette ist hier sehr groß. Natürlich ist das eine Frage des Betrachters. Was aber zählt und überzeugt in einem Gespräch, ist die innere Haltung und die Ausstrahlung, mit der diese Faktoren dargestellt und kommuniziert werden. Dinge, die wir schon lange machen, werden leider oft zu einer Art Selbstläufer – sie sind eh da. Diese Eh-da Faktoren haben dann so viel Selbstverständlichkeit, dass wir dazu neigen nicht mehr wahrzunehmen, was wirklich toll ist an dem, was wir haben und machen.

Und das heißt? Öfter mal reflektieren, über all das Gute / Positive / Schöne!

Fragen Sie sich selbst: warum arbeite ich hier? Und das, was Sie finden – merken, freuen, wertschätzen, teilen. Und andere begeistern!