Deutschlands Unternehmen jammern über den Fachkräftemangel. Deshalb weise ich in meinen Vorträgen und Trainings immer wieder nachdrücklich daraufhin, wie wichtig es ist, sich Gedanken über eine Ausweitung der Zielgruppe zu machen. Man denke nur beispielhaft an Arzthelferinnen. Wo bitte sind die Arzthelfer?

Eine Gruppe – schlimmer noch: eine ganze Generation – die nach wie vor immer wieder verschmäht wird, ist die Generation 50plus. Woran liegt das? Können die Unternehmen es sich wirklich leisten, auf diese Leistungsträger zu verzichten? Was sind die Gründe, die immer wieder ins Feld geführt werden und wie real sind sie wirklich? Warum wird lieber ein Junior statt eines Seniors eingestellt?

1. Gehalt und 50plus

Der Punkt Gehalt ist einer der gravierendsten Punkte, der immer wieder ins Feld geführt wird. Dabei führt die Betrachtung des reinen Monatsgehalts jedoch nicht weiter.

Junge Menschen sind deutlich wechselwilliger als die Alten – und das ist gut, damit sie Erfahrungen sammeln können. Während junge Mitarbeiter durchschnittlich alle 3-5 Jahre wechseln, sind ältere Menschen sesshafter. Hinzu kommen die Kosten für das Recruiting, die Kosten der Einarbeitung und Ausbildung und die Kosten, um eine Stelle wieder nach zu besetzen, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen wieder verlässt. Bei einer Betrachtung über mehrere Jahre und der Zeit, in der ein Mitarbeiter einen wirklichen Mehrwert bringt, wird schnell deutlich, dass der vermeintliche Kostenaspekt kein echtes Argument ist.

Darüber hinaus weiss ich aus meiner Beraterpraxis, dass die „Senioren“ eher zu Gehaltszugeständnissen bereit sind. Die Aufgabe soll begeistern, das Team soll passen, der Job soll mit der privaten Lebenssituation harmonieren. Die Bereitschaft zum Gehaltsverzicht wird jedoch von den Unternehmen wiederum kritisch betrachtet. Irgendwas kann doch da nicht stimmen, wenn jemand bereit ist, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten. Der Punkt, dass das Gesamtpaket stimmen muss, wird zu gerne auf das Gehalt reduziert.

2. Agilität und 50plus

Ältere Mitarbeiter harmonieren nicht mit jungen Chefs und passen nicht in agile Teams – eine weitere beliebte Schublade, die gerne gezogen wird. Genauso könnte man andersherum sagen: junge Mitarbeiter harmonieren nicht bei hierarchischen Unternehmen – und davon gibt es nach wie vor sehr viele in Deutschland. Beide Sichten sind Vorurteile.

Gerade ein gemischtes Team ist in der Realität oft ein Winner Team – der gesunde Mix aus Generation, Geschlecht usw. Die einen sind pragmatisch kreativ, die anderen erfahren und routiniert. Die einen wollen vor Begeisterung sofort durchstarten, die anderen sehen mögliche Knackpunkte. Die Synthese aus beidem ist das, was letztlich nachweislich Erfolg bringt.

3. Fexibilität und 50plus

Ältere Mitarbeiter sind unflexibel. Das Wort flexibel bzw. unflexibel an sich bedarf an sich schon der Erklärung, was damit wirklich gemeint ist. Trotz der unscharfen Bedeutung ist Flexibilität ein beliebtes Wort in Stellenprofilen und bei der Passung von Mitarbeitern.

Im Punkt zeitliche Flexibilität punkten die Älteren. Die familiäre Verantwortung ist meist nicht mehr so gravierend, Prioritäten werden besser gesetzt und bei engen Situationen wird besser in Alternativen organisiert – einfach, weil aufgrund des Alters die Erfahrung darin vorhanden ist. Auch finanziell ist die Flexibilität meist höher, da es nicht mehr so viele Verpflichtungen gibt und der höhere Stellenwert auf andere Punkte gelegt wird (siehe Punkt 1.)

4. Digitale Immigration und 50plus

Ein digitaler Einwanderer ist ein Mensch, der nicht mit digitaler Technologie aufgewachsen ist, sondern der sich die Nutzung erst als Erwachsener aneignen musste.

Auch ich gehöre zu den digitalen Einwanderern. Sicherlich bin ich insofern eine Ausnahme, als ich mit meiner Vergangenheit als Softwareentwicklerin einen klaren IT-Bezug habe. Gerade vor diesem Hintergrund und mit Blick auf meine Altersgenossen behaupte ich jedoch, dass viele über 50jährige deutlich länger digital sind als die jungen Digital Natives. Sie verstehen, wie rasant sich die Welt in den letzten 20 Jahren verändert hat, weil sie es selbst erlebt haben.

Vor allem verstehen sie auch die Bedürfnisse der Zielgruppe 50plus und die Reaktionsweisen auf neue Produkte und Angebote. Und machen wir uns nichts vor: die Gruppe über 50 ist für sehr viele Unternehmen eine enorm wichtige Käufergruppe aufgrund der Wirtschaftskraft. Daher ist es schlau, auch Mitarbeiter zu haben, die diesen Gesamtblick haben und die gerade diese Generation als Kunden bewerten können.

5. Engagement und 50plus

Ältere Mitarbeiter sind weniger engagiert. Die Haltung, dass ältere Beschäftigte keine Lust mehr haben, sich einzubringen, ist eine weitere Schublade. Fehlende Motivation, das Wissen zu erweitern oder aufzufrischen wird vielfach genannt. Umgekehrt heißt es auf Managerebene nicht selten, dass sich der Invest in eine Weiterbildung nicht mehr lohne.

Tatsache ist: die Generation 50plus war noch niemals so gesund und engagiert wie heute. Viele sehen das Alter als ein zweites Durchstarten an. Jetzt nochmal Gas geben! „Wenn nicht jetzt, wann dann“ lautet das Motto. Unternehmen, die hier auf die Bremse treten und gerade diese Gruppe nicht wertschätzen, schneiden sich ins eigene Fleisch!

Was sind nun die Vorteile der Generation 50plus?
Ist 50plus in Wirklichkeit „fiftyandfabulous“?

  • Soziale Kompetenz
  • Erfahrung und Weitsicht
  • Belastbares Netzwerk
  • Kommunikative Kompetenz
  • Umfangreiches Wissen
  • Fähigkeit zur Selbstmotivation
  • Stabile Verhaltensmuster
  • Zuverlässigkeit
  • Loyalität
  • Gelassenheit
  • Souveräner Umgang mit Problemsituationen
  • Hohe Sensibilität
  • Durchsetzungsvermögen
  • Mobilität und Flexibilität aufgrund der Lebenssituation (abgeschlossene Familienphase)
  • Geringe Fluktuation

Auch wenn mit zunehmendem Alter Beweglichkeit, Seh- und Hörvermögen nachlassen, so fallen diese Punkte im Zeitalter von Brillen, Kontaktlinsen und Hörgeräten immer weniger ins Gewicht. Entscheidend ist die Frage, welche Kompetenzen wirklich für welche Aufgaben zwingend sind.

Fazit

Für Unternehmen lohnt es sich, den Blick auf Zielgruppen zu werfen, die bislang bewusst oder unbewusst außen vor waren. Schubladendenken ist nicht immer eine bewusste Entscheidung.  Manches Mal fällt es uns einfach nur schwer, an das gute Naheliegende zu denken!

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