Die Messe Women&Work hat zur Blogparade zum Thema Frauen und Geld aufgerufen. Und ich mache gerne mit, denn Frauen und Gehalt ist und bleibt ein Dauer-Thema. Der Wechsel des Arbeitsplatzes bietet de facto die beste Möglichkeit, um sich nicht nur persönlich, sondern auch gehaltlich weiter zu entwickeln. Als PersonalberaterIn erlebe ich allerdings immer wieder, wie Frauen ihre Schwierigkeiten damit haben, überhaupt eine Gehaltsvorstellung in Worte zu fassen und diese dann auch einzufordern.

Was sind typische Situationen aus der Praxis?

1 Frauen, Gehalt und die persönliche Vorbereitung

Vorbereitung bedeutet nicht nur, Informationen über den neuen Arbeitgeber und die Aufgabe zu sammeln, sondern es bedeutet auch eine klare Vorstellung davon zu haben, wie die persönliche Gehaltsvorstellung aussieht.

Die Aussage „Ich möchte mich verbessern“ ist keine Vorbereitung! Auch die Aussage „Ich habe derzeit so um die 55 oder 60.000,- EUR, so genau weiss ich das nicht“ ist keine Vorbereitung.

Nehmen Sie Ihr derzeitiges Gehalt unter die Lupe! Zwar wird in Bewerbungsgesprächen oft über das Jahresgehalt gesprochen, dennoch sollten Sie genau wissen, wie sich Ihr derzeitiges Gehalt zusammensetzt, d.h.: Wie hoch ist das fixe Jahresgehalt bei wie vielen Monatsgehältern? Wie sieht der Bonus aus und wie wird er berechnet? Gibt es ein Auto? Usw.

Machen Sie sich mit den genauen Daten vertraut, denn erschreckenderweise müssen so einige Frauen bei diesem Thema erst einmal in den Arbeitsvertrag schauen.

Nehmen wir ein einfaches Zahlen-Bsp.:

Ihr heutiges Jahresgehalt beträgt 60.000,- EUR fix + 10% Bonus, d.h. das Jahreszielgehalt liegt bei 66.000,- EUR. Im potenziellen neuen Unternehmen beträgt das fixe Jahresgehalt 63.000,- EUR + 15% Bonus, d.h. 63.000,- EUR + 9.450,- EUR = 72.450,- EUR Jahreszielgehalt.

Klingt ganz gut, aber: im alten Unternehmen werden 12 Monatsgehälter gezahlt, im neuen Unternehmen 13 Monatsgehälter. Folge: das bisherige Monatsgehalt lag bei 5.000 EUR, das neue Monatsgehalt liegt bei 4.846,15 EUR.

Auch wenn das fixe Jahresgehalt und der Bonus höher sind als vorher: nach einem Wechsel monatlich weniger Geld auf dem Konto zu haben, ist für viele Menschen ein Faktor, der psychologisch runterzieht! Und das können Sie vermeiden!

Achtung: es geht hier nicht darum in einem Bewerbungsgespräch alles auf den Cent vorzurechnen. Im Gegenteil – das sollten Sie nicht tun. Im Gespräch reichen ca. Angaben aus. Für sich selbst sollten Sie jedoch die genauen Zahlen kennen!

Deshalb: Machen Sie sich klar, wo Sie genau stehen und wo Sie genau hin wollen. Denn nur dann kommen Sie auch dort an, wo Sie hin wollen. Sie steigen auch nicht in einen Zug und sagen, „ach schauen wir mal“ und wundern sich dann, dass Sie irgendwo angekommen sind, wo Sie gar nicht sein wollten.

2 Realistische Erwartung

Wenn Sie absolut keine Ahnung haben, ob Ihre Vorstellung realistisch ist: recherchieren Sie! Das Web bietet viele Portale, die nach Berufen, Berufsgruppen, Regionen usw. geclustert sind. Sprechen Sie mit Freunden in ähnlichen Berufsfeldern. Fallen Sie nicht direkt mit der Tür ins Haus, aber fragen Sie konkret und verschaffen Sie sich einen Überblick.

Das sollten Sie aber nur machen, wenn Sie wirklich keine Ahnung haben! Horchen Sie am besten in sich hinein und wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, werden Sie die Antwort dort finden. Als Bestätigungsfeedback einen Anker in Statistiken zu suchen, verleitet nur dazu, diese als Argumentation in einem Gespräch zu missbrauchen – und das ist nicht überzeugend.

3 Frauen und Gehalts-Argumentation – Wie scharf ist Ihr Profil?

Viele Frauen verfügen über tolle Kompetenzen, haben eine ausgezeichnete Ausbildung und dennoch: „Ich hör’s und seh’s sehr wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Immer wieder stelle ich fest, wie Frauen ihre eigenen Fähigkeiten nicht wertschätzen bzw. „unter Wert schätzen“.

Tip: Stellen Sie sich selbst einmal folgende Frage: „wenn ich Mitarbeiterin bei mir selbst wäre, warum sollte ich mir dieses Gehalt zahlen?

Ich bin mir sicher, dass Ihnen darauf so einige Adjektive und Gründe einfallen. Listen Sie alle auf: zuverlässig, engagiert, zielorientiert …..

Anschließend nehmen Sie jedes einzelne Wort und untermauern es mit 3 aussagekräftigen detaillierten Beispielen pro Eigenschaft! Wichtig: zuverlässig sein heißt nicht, pünktlich um 8 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, sondern das heisst, dass Sie verantwortungsvolle Themen anpacken und Probleme zuverlässig lösen! Nehmen Sie richtig konkrete Beispiele: Projekte, bei denen Sie die Verantwortung hatten; Kunden, die Sie überzeugt haben; Schwierigkeiten, die Sie gelöst haben usw.

Führen Sie sich Ihren Wert vor Augen!

Wenn Sie diese Beispiele vor sich haben, dann haben Sie:
a. gute Gründe, die Sie auch nach außen kommunizieren können
b. gute Gründe, dass Sie auch selbst daran glauben, dass Sie das Gehalt Wert sind!

4 Selektive Negativwahrnehmung

Was ist das denn? Das ist die Art, wie leider viele Frauen Stellenanzeigen und Anforderungsprofile lesen. Eine Stellenanzeige gibt einen Rahmen über eine Aufgabenstellung. Eine Stellenanzeige ist keine Punkt-für-Punkt-Checkliste, die es einzeln abzuhaken gilt!

Frauen lesen Stellenanzeigen sehr gründlich! Dann entdecken sie zwei Punkte, die sie vermeintlich nicht können oder bei denen sie sich unsicher fühlen. Das Ergebnis: entweder sie bewerben sich gar nicht oder aber sie nutzen diese beiden Punkte als eine Art Selbstdemontage: ein Argument, warum die angestrebte Gehaltsverbesserung nicht realisierbar ist.

Ernsthaft: wenn Sie alles von einem Profil bereits können, warum wollen Sie den Job dann machen?

Nutzen Sie das vermeintliche „Nicht-Wissen“ in der Argumentation beim Gehalt:
– führen Sie auf, was Sie alles mitbringen an Skills, Erfahrung, Kontakten
UND
– führen Sie auf, dass Sie sich sehr gut auf neue Themen einlassen können, und dass Sie es sehr spannend finden, sich gerade in diese geforderten neuen Skills einzuarbeiten
Das sollten Sie nur machen, wenn Sie sich auch wirklich für diese speziellen Themen interessieren.

Die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und hinzuzulernen, ist ein Asset! Und zwar auch ein monetäres!

5 Übernehmen Sie Risiken

Wenn Sie wirklich mehr Gehalt wollen, dann formulieren Sie es klar und seien Sie mutig! Geben Sie sich einen Ruck! Lassen Sie sich nicht durch potenzielle Gegenargumente aus der Ruhe bringen (Bsp.: fehlender Skill, Sprengen des Abteilungsgefüges). Vertreten Sie Ihren Wert und behalten Sie die Ruhe! Wenn Sie wissen, dass Sie über Drive verfügen, Ihre Arbeit Ihnen Spass macht und Sie nach vorne kommen wollen, dann tun Sie es. Sie können in diesem Prozess nur dazu lernen und gewinnen.

Ein letzter nüchterner Tip: machen Sie sich klar, dass es sich um einen Tausch handelt: Wert A gegen Wert B. Sie bieten einen Wert in Form von Skills, Erfahrung, Engagement und Drive. Der Arbeitgeber bietet einen Wert in Form von Gehalt (und mehr).

Die Firma L’Oreal hat einmal den weltbekannten Satz geprägt: „Weil ich es mir wert bin!“ Noch besser ist das englische Original: „Because I’m worth it!“

Nehmen Sie diesen Satz als Gedankenstütze für Ihr nächstes Gehaltsgespräch (egal ob intern oder in einem externen Vorstellungsgespräch):

„Weil ich es mir wert bin!“ – „Because I’m worth it!“

Wie sind Ihre Erfahrungen? Was ist Ihr Wert?