Mitarbeiter sind schwierig zu finden! Sind sie gefunden und eingestellt, kommt der nächste Schritt. Denn Mitarbeiter zu binden ist mindestens genauso schwierig. Gerade für Know-How Träger gibt es so einige alternative Angebote. Bei den Wechselmotiven von Mitarbeitern ist der Punkt Führung im aktuellen Unternehmen immer wieder ein wichtiger Faktor.

Welche Rolle spielt der Führungsstil des Vorgesetzten, um Mitarbeiter zu binden und Bewerber in Gesprächen zu überzeugen?

Auf diese Frage geht Dr. Geertje Tutschka, Rechtsanwältin und professioneller Business-Coach, mit dem folgenden Gastbeitrag ein!

Nach der aktuellen Studie „Emotionale Führung am Arbeitsplatz“, durchgeführt von Rochus Mummert, stellen die deutschen Arbeitnehmer ihren Chefs ein vernichtendes Zeugnis aus:

  • Anerkennung und Lob? Fehlanzeige!
    Kein Tadel ist schon Lob genug! Offenbar ist das die Einstellung der Chefs. Nur ein Drittel der Arbeitnehmer darf sich über lobende Worte und Anerkennung durch die Führungskraft freuen. Positive Bestärkung des erwünschten Verhaltens gehört heute nach gesicherten Erkenntnissen der Psychologie zum Standardrepertoire der modernen Erziehung in Eltern- und Pädagogenkreisen. In der Personalführung ist es bei der Mehrheit noch nicht angekommen.
  • Ein offenes Ohr für Probleme? Wozu?
    Einen Chef, der auch bei Problemen und in Krisensituationen immer ansprechbar ist, haben nur ein Drittel der Befragten. Ansonsten gilt offenbar: in stürmischer See kämpft die Mannschaft an Bord ohne den Kapitän. Kein Wunder, denn nur 2 von 10 Chefs können offenbar mit Kritik umgehen.
  • Entdeckung und Entwicklung der Mitarbeiter? Kein Interesse!
    Wer sich im Job entwickeln möchte und vielleicht auch innerhalb des Unternehmens aufsteigen möchte, ist auf seinen direkten Vorgesetzten angewiesen. Vier von fünf Arbeitnehmern fühlen sich von ihrem Chef bei der Karriereplanung aber nicht unterstützt.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein Drittel hält den eigenen Chef für fachlich kompetent und charakterlich als Chef geeignet.
Befragt wurden dafür 1.000 Arbeitnehmer aus allen Bereichen. Deshalb sind die Ergebnisse einigermaßen repräsentativ und für alle Berufszweige anwendbar.

Warum Vorgesetzte mit Coaching-Wissen die besseren Chefs sind

Anders werden – laut dieser Studie – offenbar nur Chefs beurteilt, die einen coachenden Führungsstil bevorzugen:

  • Über die Hälfte der Arbeitnehmer hält seinen coachenden Chef für uneingeschränkt fachlich geeignet und für charakterlich absolut geeignet.
  • Ebensoviele bescheinigen ihrem Chef darüber hinaus, bei Problemen wirklich immer ansprechbar zu sein.

„Der bei den Arbeitnehmern beliebteste und qualifizierteste Vorgesetzten-Typ ist in deutschen Betrieben leider unterrepräsentiert. Nicht einmal jeder vierte Beschäftigte arbeitet bei einem Unternehmen, in dem Coaching an erster Stelle steht“, konstatiert die Mummert-Studie. „Dabei hat nur ein emphatischer Manager nach Art eines Trainers das Potenzial, jeden Arbeitnehmer und damit den Erfolg des gesamten Betriebs langfristig positiv zu beeinflussen. Er handelt authentisch und holt den Einzelnen auch emotional dort ab, wo dieser gerade steht.“

Doch kommt es als Chef immer darauf an, bei den Mitarbeitern beliebt zu sein? Nein, selbstverständlich nicht. Zu führen heißt, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Immer auf Konsens zu setzen, mag Sie zum guten Teamplayer machen, nicht jedoch zu einem kompetenten Chef. Es gibt Situationen, die besser mit dem einen oder besser mit dem anderen Führungsstil gemeistert werden.

Wichtig ist, sich über seinen eigenen bevorzugten Führungsstil bewußt zu werden. Dies kann durch anonyme Mitarbeiter – Feedbacks erfolgen oder aber auch durch spezielles Coaching wie „Coaching on the Job“ oder „Schattencoaching“. Dabei begleitet der Coach die Führungskraft eine Zeitlang quasi wie ein Schatten still im Hintergrund, um ihr im Anschluss ein Feedback aus der Position eines „objektiven Beobachters“ geben zu können. So können problematische Interaktionen mit Mitarbeitern, Teamschwierigkeiten, Kommunikationsdefizite oder „Betriebsblindheit“ – um nur einige Beispiele zu nennen – aufgedeckt werden.

Mit welchem Führungsstil führen Sie?

Gemäß obiger Studie führt etwa die Hälfte der Chefs entweder „Befehlend“ oder „Coachend“. Während sich die erste Art konservativ auf blinden Gehorsam stützt und Mitarbeiter zu unselbstständigen Handlangern degradiert, werden bei der coachenden Art des Führens Mitarbeiter individuell gefördert und Aufgaben sinnvoll delegiert. Es folgen ein fordernder (16 %), ein visionärer (15 %), ein demokratischer (13 %) und ein gefühlsorientierter Stil (10 %).
Ein erfolgreicher Chef setzt bewußt immer wieder einen coachenden Führungsstil ein, weil …
• motivierte Mitarbeiter doppelt soviel leisten und kreativer sind
• nur so das volle Potenzial eines gut funktionierenden Teams genutzt werden kann
• Mitarbeiter, die hinter ihm stehen, die eigene Position im Unternehmen stärken

Vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Suche nach Mitarbeitern sind coachende Chefs erfolgreicher darin, Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und in Vorstellungsgesprächen Bewerber von einer Aufgabe im eigenen Team zu überzeugen und zu begeistern.

Erfolgreicher Führen durch Coaching

Doch wie werden Sie ein coachender Chef? Coachende Chefs sind mit ihren Mitarbeitern und mit Bewerbern IM GESPRÄCH, d.h. sie fragen richtig und hören aktiv zu. Das sieht beispielsweise so aus:
• Stellen Sie offene Fragen. Das sind Fragen, die nicht mit JA oder NEIN beantwortet werden können. z.B. „Was können Sie hier anders tun, um zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen?“
• Lehnen Sie sich nach jeder Frage zurück und lassen Sie Ihren Mitarbeiter nachdenken und mit der Antwort kommen. In diesem Spiel gilt: Wenn Sie sich zuerst rühren, haben Sie verloren! Die einfachste Frage ist „Und?“ Nutzen Sie auch Techniken wie das Spiegeln (Wiederholen) der Mitarbeiteraussage.
• Hören Sie zu. Dazu gehört in erster Linie eigenes Ego-und Aufmerksamkeitsmanagement. Deshalb: E-mails und Handy aus, genügend ungestörte Zeit einplanen und die eigene Energiekurve und die des Mitarbeiters beachten. Aktives Zuhören ist aber auch, auf Zwischentöne („das Thema hinter dem Thema“) zu hören, Mimik- und Körpersprache (richtig) zu deuten. Oder den interkulturellen Kontext einzubeziehen.

Das alles ist nicht neu. Richtig angewendet ist der coachende Führungsstil jedoch eine umfangreiche Kunst, die ihre Wirkung am effektivsten mit einer fundierten Ausbildung entfalten kann. Denn nicht von ungefähr gilt die Unterstützung durch einen Coach oder die Teilnahme an einer Basis-Coachingausbildung als modernes Leadership-Training.

Autorin

Dr. Geertje Tutschka ist Rechtsanwältin in Deutschland und Österreich und Top 100 Trainer in D-A-CH. Als professioneller Business-Coach für Anwälte und Kanzleien arbeitet Sie für CLP speziell an deren Personalentwicklungs- und Leadership-Programmen, um Führungsstil und Führungskultur als Qualitätsmerkmal in der Legal Branche zu etablieren.

Welchen Führungsstil leben Sie? Wie coachen Sie Ihre Mitarbeiter?